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Mittwoch, 18. Juni 2014

Bericht vom Skatstadt-Marathon Altenburg am 14.06.2014

Kurzinfo: Platz 2 gesamt in neuer PB von 2:48 h

Bericht:
Nur kurz vorweg, mal ein Blick 4 Wochen zurück: Der 73-km-Rennsteig-Supermarathon steht bei mir als sentimentale "Pflichtveranstaltung" im Kalender. Eher unpassend als Marathonvorbereitung, daher als Lockerlauf geplant, jedoch nur bis zur Hälfte, da das geringe Tempo mehr krampfhaft als nützlich war. Daher dann die zweite Hälfte mit 90% Schubkraft (viertbeste Zeit gesamt auf der zweiten Hälfte), leider auf Kosten meiner Waden und unter Inkaufnahme vieler harter Einschläge in die linke Ferse (Schottersteine), dafür war es eine großartige Erfahrung, gegen Ende noch Pulver zu haben. Es war das erste Mal, dass ich die komplette Strecke rannte ohne Gehpausen.
Konsequenz hieraus war, dass die beiden folgenden Wochen -eigentlich die härtesten und umfangträchtigsten der Marathonvorbereitung hinsichtlich Altenburg- zum sinnfreien Lockertraining verkamen. Ganze 14 Tage wurde ich den Muskelkater in den Waden nicht los und immer, wenn ich den Asphalt verließ, tat die Ferse wieder weh. Unbefriedigendes Training mit Handbremse, nicht mal 150 km gesamt in den zwei so wichtigen Wochen. Gänzlicher Verzicht auf lange Läufe. Inneres Knurren..
Kurz vorm Startschuss in Altenburg verliere ich aber keinen Gedanken mehr daran, will die erste Runde kontrolliert, die zweite schnellstmöglich laufen. Leider geht meine GPS-Uhr wenige Minuten vorm Start kaputt (Armband) und wird unbenutzbar. Schöne Sch...! Alle Planungen im Vorfeld liefen letztlich auf eine zu laufende bzw. zu unterschreitende Pace hinaus, der "kontrollierte Lauf" wird somit statt dessen zur Gefühlssache.
Trotz allem stehe ich gut gelaunt an der Startlinie und freue mich auf das Rennen. Nach ein paar Kilometern frage ich Jörg Friese aus Magdeburg (später Rang 3), welche Pace wir denn so laufen. Als er meint, dass wir so um die 4:00 min/km liegen, bin ich beruhigt. Das passt mit meinem Plan für Runde eins. Da wir uns auf Rang 3 und 4 wähnen (es also um den Podest geht), gehe ich trotzdem ganz langsam nach vorn weg, das nicht zu warme Wetter heute erlaubt eine kleine Prise Mut. Es ist nun ein einsames Rennen, von den lieben Zuschauern an der Strecke abgesehen. Vorn suche ich Vincent Hoyer, doch Jörg Matthe taucht plötzlich an der Schleife am Poschwitzer Park weit vor mir auf und hat ein Führungs-Fahrrad bei sich. Hat er also Vincent abgeschüttelt? Dass Jörg heute die Staffel läuft (und gewinnt), weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Es gibt also zwei Führungsräder vor mir. Sehr verwirrend für einen Läufer, der nicht mal weiß, wie schnell er selber unterwegs ist...
Die Wendestelle auf dem Markt (Start in die zweite Runde) passiere ich zuversichtlich, verpasse leider den Blick auf die Rathausuhr. Etwa einen (??) km später sehe ich irgendeine Turmuhr, rechne die Zeit gegen 22 gelaufene km, ziehe wegen des um 3 Minuten verspäteten Starts ein bisschen was ab und gelange zu dem Schluss, dass eine Zeit von 2:50 heute sehr eng wird.
Irgendwann im Stadtwald trete ich mit dem linken Fuß auf einen Stein, sofort ist die Ferse wieder am Schmerzen. Zusammenreißen! An der Brücke der Paditzer Straße treffe ich die "Frau an der Brücke", ich danke ihr für ihr Kommen, klatsche sie ab. Sie war schon im Regen von 2009 hier, so vieles hat sich verändert seit dem. Doch heute gibt sie mir mehr Kraft als damals, vielen Läufern wird es heute so gehen. Danke an Dich, sei tapfer!!! Die anschließende Asphaltstrecke wird Dampf gemacht, das zweite und letzte Gel eingeworfen. Leider wird das Stechen in den Waden immer stärker, es ist die altbekannte Stelle und ich mache mir keine Illusionen. Ich kann nun die letzten 10 km nur noch wechseln zwischen dem Hackenlaufen, welches die Waden schont und die ungeschützte Ferse zerstört oder dem Vorderfußlaufen, was die Waden längst nicht mehr schaffen, aber der Ferse Luft verschafft. Bei jedem Stein, der die Ferse berührt, fluche ich laut. Steile Passagen bergauf und bergab kann ich nur noch humpeln. Es fällt immer schwerer, die Halbmarathonläufer zu überholen, ich kehre mich völlig nach innen, habe Tränen in den Augen vor Schmerz und Wut.
Als ich auf dem Markt einlaufe, kann ich nicht mehr jubeln, will nur runter von diesen geplagten Füßen. Falle im Ziel auf die Knie und muss mich zusammenreißen. Langsam zieh ich mich zurück Richtung Duschen.
Ich möchte am Liebsten allen danken, die wieder einmal zu diesem wunderbaren Laufspektakel beigetragen haben, den Leuten, die Richtung Teehaus die vielen Schilder aufstellten, der Orga, den vielen netten Menschen an den Stationen. Nur am Samstag konnte ich es nicht mehr. Darum heute: Danke ALTENBURG, danke KANU, danke an alle Bands!!!

Vincent Hoyer sieht mit SR und PB in 2:27:08 h

Mit ein paar lauffreien Tagen Abstand sieht die Welt heute trotz anhaltendem Schmerz schon wieder freundlicher aus. Ich bin überzeugt, trotz dieses schwierigen Laufes, in diesem Jahr einen Marathon in 2:44 laufen zu können und bin heiß darauf, es zu beweisen!

Samstag, 29. Dezember 2012

Silvesterlauf Gera am 29.12.2012

Bericht: Dieser Lauf heute ist natürlich Pflichtprogramm für mich! Die Strecke ist heute im besten Zustand seit dem ersten Schnee Ende Oktober. Da der 20-km-Hauptlauf erst halb 10 beginnt, nutze ich den sonnig startenden Tag, um die Runde schon mal komplett alleine abzulaufen. Ein Radfahrer kontrolliert zeitgleich die Markierungen und wir treffen uns gelegentlich. Gegen 9:15 Uhr stehe ich wieder am Start an der Panndorfhalle, dehne mich, plaudere und freue mich auf eine eher entspannte zweite Runde auf meiner Hausstrecke.
Spätestens nach 35 km wird es dann auch recht schwer, also für heute reicht das. Beide Runden laufe ich gleich schnell, jeweils knapp 1:30. Hinzu kommt noch mein gut 1 km langer Heimweg im absoluten Lockerlauf. Am Ende des Tages kann ich 40,1 km in 3:05 Std. bei 940 Höhenmetern ins Trainingstagebuch schreiben - prima!!
Mehrere Läufer sagten heute wieder wie schön und auch anspruchsvoll dieser Lauf ist. Das kann ich nur bestätigen. 

Montag, 19. November 2012

Bericht vom Waldmarathon Werdau am 18.11.2012

Kurzinfo: recht schneller Kurs mit ca. 400 hm, werde Dritter in 3:03 h, sehr glücklich!

Bericht: Mit nur geringen Nachwehen vom gestrigen Lauf geht es nach Werdau, Start ist um 11, d.h. ich konnte entspannt mit meiner Freundin frühstücken und es wurde auch fast gar nicht stressig auf der Hinfahrt :-)
Das hier ist natürlich ein anderes Kaliber als der familiäre Lauf von gestern, ca. 260 Läufer tummeln sich an der Sportschule Werdau, einem tollen Gelände mit allem drum und dran. Der Marathonlauf hat davon ca. 110 Teilnehmer, ein paar "von gestern" sind natürlich auch wieder dabei. Mein Ziel ist, die 3:30er Zeit zu bestätigen und am Ende vielleicht sogar etwas mehr Dampf zu machen, halt ein klassischer "Peter-Greif-Endbeschleuniger".


Ganz locker geht es mit 5:02er Pace auf den ersten Kilometer, doch bereits ein paar Minuten später... -Oh, eine Getränkestelle! hab seit über ner Stunde nix getrunken- .... also, bereits ein paar Minuten später wollen die Beine einfach ihr Tempo laufen und ich lass es rollen. Die Strecke ist schneller und härter als gedacht, ca. 50% Asphalt, dazu schön kühl um die 6 Grad - ideale Bedingungen! Ganz schwer, hier rumzutrödeln. So begab es sich, dass nach 44 Minuten bereits 10 km zu Buche standen. Zwar meldete sich mal dies und jenes Leiden, ein Muskelkater hier, ein Sprunggelenk da, doch alle Wehwehchen schwanden flugs wieder dahin. Ich liege ca. auf Rang 9 als ich auf Volker aus Leipzig auflaufe (Platz 2 gesamt beim Skatstadtmarathon), er hat heute nicht viel Glück und kann nicht volles Tempo gehen, gemeinsam erreichen wir die Halbdistanz nach knapp 1:31 Stunden, dann lässt er mich ziehen.
Ein paar Kilometer später überhole ich gleich zwei Läufer an einer Tränke - seltsam, genau wie gestern will mein Körper heute nur 3 Becher Tee/Cola während des ganzes Laufs und ein kleines Stück Banane, das genügt. Kurz darauf sehe ich Sören Schramm vor mir, auch er ist heute nicht so schnell wie sonst (war hier 2009 schon sub-3-Läufer, ist aber jedes Jahr langsamer geworden). Irgendwann gehe ich vorbei, Pace mittlerweile um die 4:20.
Es ist ein sehr schöner Lauf, nur wenige böse Steigungen und viel "Rollstrecke". Zweifellos gibt es mir auch Kraft, zu wissen, dass ich heute nur gewinnen kann. Zwischendurch denke ich: "Mensch, jetzt hast du nach dem Marathon gestern schon wieder 30 schnelle km abgeliefert. Was willste mehr?". Doch das reicht noch nicht, jetzt liege ich ca. auf Platz 6 und bin laufhungrig. Doch die Mitstreiter wollen einfach nicht näher kommen...  Einen Thomas überhole ich noch, dann beginnt das lange Rollen ins Ziel (überwiegend leichtes Gefälle).
Der km 40 mit seinen Steigungen tut noch mal weh - Pace 4:32.
Dann km 41, einen HM-Läufer und einen weiteren Thomas kann ich kassieren - Pace 4:13. Alles bebt, ich fühle mich wie ein Wolf!
Jetzt beginnt km 42, hundert Meter vor mir läuft leichtfüßig Falko Wesarg, der Vorjahressieger auf dieser Strecke. Irgendwas hakt aus im Kopf und ca. 800 m vorm Ziel beginne ich zu sprinten, ohne jede Chance, Falko noch einzuholen. Schuld allein trägt dieses Video (EM2006-Finalsieg von Jan Fitschen über 10.000 m), welches ich mir heute morgen noch reingezogen habe. 500 m vorm Ziel knurre und schnaufe ich, abschüssige Strecke, erstaunte Gesichter am Streckenrand, Beifall. Falko bemerkt mich, als ich 5 m hinter ihm bin. Auf gleicher Höhe liegend, zieht er an - doch er kann mein Sprinttempo nicht mitgehen. Es fliegen die Fetzen, zwischendurch -in diesen Sekunden der Entscheidung!- muss ich auch noch an der GPS-Uhr rumfummel, denn ich hab keine Ahnung wo das Ziel ist - jedenfalls nicht da, wo der Start war - oh! ein Schild! - oh nein! noch ein knackiger Anstieg! - letzte Kurve - Zieleinlauf!! Haaaaaammer!! Die Durchschnittspace des letzten km, meines 84. an diesem Wochenende, war 3:28 min/km - ENDE.

Zielsprint - tora! tora! tora!

Ehrung als Nr. 2 der AK30 (Nr. 3 gesamt)
Alle Infos zum Lauf hier: http://www.werdauer-waldlauf.de

Bericht vom Borna-Marathon am 17.11.2012

Kurzinfo: Kleiner, feiner Mehrgruppenlauf ohne Wettkampfcharakter. Wunderbar sonniger Lauf in 3:25 h

Bericht: Hoppla, beinahe hätte ich den hier übersehen! In nur wenigen Internet-Terminkalendern ist dieser Marathon gelistet, zufällig las ich davon in einem Bericht vom Werdau-Marathon (für den ich morgen gemeldet bin) und meldete mich spontan eine gute Woche vorm Lauf an - den Marathon-Doppeldecker also klar im Visier. Das wird die letzten Urlaubspfunde verbrennen und das Training hinsichtlich Jägerstein-Ultra etwas "würzen".
Jens, der Orgachef, begrüßt mich gleich mit Namen und alles läuft ganz entspannt und wie am Schnürchen: Startnummer, T-Shirt und Bons für Speis & Trank - das Marathonlaufen kann so wunderbar einfach sein. Aber Moment, wir sind ja noch gar nicht gelaufen :-)
Also, das läuft hier in Borna so: Du suchst dir im Vorfeld eine Gruppe je nach geschätzter Zielzeit aus. Ich nehme die Schnellste mit 3:30-h, daneben gibt es noch 4:00 h, 4:30 h und 5:00 h. Das verbessert während des Laufs nicht nur die Kommunikation (man kann miteinander reden statt gegeneinander zu hetzen), sondern erleichtert auch die Sperrung der wenigen Straßen, welche wir während der einen großen Runde queren müssen. Die Eckpunkte dieses flachen Laufs durch meist unberührte Wildnis und an Seen entlang sind: Borna - Harthsee - Wyhra - Blumroda - Speicherbecken Borna - Kahnsdorfer See / Hainer See - Espenhain - Speicher Witznitz - Borna.
Unsere Gruppe konnte weitest gehend zusammen bleiben, die Pace pendelte immer so um die 4:50 min/km. Einen großen Dank möchte ich noch an die vielen Radbegleiter senden (mind. 2 je Gruppe), welche zusätzlich zu den festen Versorgungspunkten auch unterwegs um unser Wohl bemüht waren!
Sehr entspannt, bei Sonnenschein und Bierchen (Piesau-Stimmung!) endet der schöne Lauftag hier. Keine Ahnung, warum Borna und Werdau ihre Marathons immer am gleichen Wochenende veranstalten, vermutlich könnten beide profitieren, wenn es anders wäre, aber was solls. Das nehmen wir doch ultra-gelassen ;-)

Alle Infos und Bilder zum Lauf hier: VSV Borna

Freitag, 19. Oktober 2012

Bericht vom Marathon nach Athen vom 14.10.2012

Kurzinfo:
Das Original! Ganz allein 43 km von Marathonas nach Athen gelaufen in 3:59 Std., Temperaturen um die 27 Grad.

Bericht:
Anlässlich des Griechenlandurlaubs war eigentlich die Teilnahme am "Athens Classic Marathon" geplant. Allerdings herrscht im November bereits Nachsaison, viele Hotels und Restaurants sind zu, Busverkehr ist eingeschränkt etc.
Also fand der Urlaub jetzt Anfang Oktober statt und der anvisierte Marathonlauf wird autonom als One-Man-Show durchgezogen, ist eh näher am Original. Ohne Griechisch-Kenntnisse war das Auffinden der richtigen Busverbindung vom Moloch Athen zum Startpunkt Marathonas nicht ganz leicht. Hinzu kam eine gnadenlose Faulheit seit 14 Tagen (nur 3 sehr kurze Läufe) und heiße Temperaturen.

Endstation "Marathonas"? Nein, erst der Anfang von allem!

Die Strecke hatte ich schon in Deutschland auf meinen Forerunner geladen, so konnte ich mich auf der Hinfahrt (für 3,70 €) bereits mit dem Gedanken anfreunden, dass die vierspurige "Bundesstraße" auf der wir gerade fuhren, auch meine Laufstrecke retour sein wird. Naja, immerhin wird es eine günstige Aktion werden, die Gesamtkosten inkl. Transport, zwei Energy-Getränke, Wasser und einer Packung salziger Pistazien liegen unter 10 Euro.

Hochkonzentriert am Start :-)

Die Entfernung Marathonas-Athen per Luftlinie beträgt 27 km, allerdings kann man nicht mal eben abkürzen, da es keine vernünftigen Wanderwege gibt und die Abkürzung über einen Berg verliefe, darauf kann ich heute gut verzichten. Also halte ich mich 1:1 an die Wettkampfstrecke des Athen-Classic-Marathons, d.h. knapp 43 km entlang einer Straße, bogenförmig ins Herz Athens, zum Panathinaiko-Stadion.
Bereits beim Aussteigen aus dem Bus habe ich Sonnenbrand von den letzten Tagen und bin durchgeschwitzt. Perfekt, auf geht´s!
Ein Fußgänger ist im griechischen Straßenverkehr ein sehr rangniedriges Lebewesen, kurz hinter streunenden Hunden. Mit Rücksicht ist also nicht zu rechnen, auch nicht mit einem Gehweg, der diesen Namen verdient. Dieser ändert sich je Grundstück, ständig muss man Absätze hoch- oder runtersteigen. Oft ist der schmale Gehweg durch Müll(-tonnen) oder Autos versperrt, mal sind Strom- oder Lichtmasten mittig auf dem Weg platziert, so dass man nicht dran vorbei kommt. Aber nur auf ca. der halben Strecke existiert überhaupt ein Gehweg, meist muss man auf der Straße laufen oder durch angrenzendes Gebüsch, welches offenbar in der Regel als Toilette oder Mülldeponie Verwendung findet.
Bereits nach wenigen km macht die Strecke einen kurzen Abstecher Richtung Küste, der Grund hierfür ist mir nicht bekannt, aber vom Bus aus sah ich ein Läuferdenkmal hier in der Gegend, also steuere ich das an, mache ein Foto und ziehe weiter, zurück zur Hauptstraße.

Von New Balance gestiftetes Denkmal nach 6 km

Bevor diese erreicht wird, laufe ich noch völlig ahnungslos in eine Dreiergruppe Hunde hinein, die mich sofort anblaffen und auf mich zukommen. Einer meint es recht ernst und ich muss schnell einen Stock aufheben und gehe wütend schreiend auf ihn zu (das hilft meistens). Mit erhöhtem Puls ziehe ich mich zurück und erreiche die Straße - ab jetzt keine Experimente mehr, ich bleibe auf der Hauptstraße!
Übrigens ist mein Tempo natürlich sehr lahm, so um die 5 min / km, die Strecke steigt tendenziell leicht an, ca. 450 ansteigende Höhenmeter gesamt.


So sieht er aus, der Weg zum Glück (braunes Schild beachten)

Zwischendurch kaufe ich mir an einer Tankstelle frisches Wasser, denke über die hässliche Strecke nach, halte diesen Marathon für eine echte Prüfung. Mein Respekt für alle Spartathlon-Teilnehmer steigt gerade ins Unermessliche.
Die letzten 10 km spielen sich dann schon im dichteren Stadtgebiet Athens ab, dass heißt: Noch mehr Vorsicht walten lassen im Verkehr! Langsam bricht die Nacht herein, ich hab natürlich kein Licht dabei, aber es geht auch so. Man weicht eben den Autos, Motorrädern, Hunden, Fußgängern und Stolperfallen aus, so gut es geht.
Dann sehe ich auf der Straße eine gelbe Streckenmarkierung ("37 km") - das ist mein Zeichen, nur noch 5 km! Ein guter Grund, mal ein Bier zu trinken auf den Erfolg. Mit dieser Betankung gehen nun die letzten km noch mal so schnell vorbei, ganz überraschend erscheint dann nach knapp 4 Stunden das wunderschöne Ziel zu meiner Linken:

Was für ein Traumziel: Das Panathinaiko-Stadion

Boah, geschafft! Diese Strecke brauche ich nicht noch mal. Aber es ist schon ein tolles Gefühl, dieses Ding mal gelaufen zu sein.

Sonntag, 30. September 2012

Bericht vom Saale-Rennsteig-Marathon am 30.09.2012

Kurzinfo:
Diesmal Podestplätze getauscht mit Marcus Baldauf, d.h. diesmal Rang zwei für mich und Sieg für ihn. Zeit 10 Minuten verbessert auf 3:22, Marcus war 2 Minuten schneller - so wie ich im letzten Jahr.

Bericht:
Die diesjährige Teilnahme (als Vorjahressieger) am 5. SRM war lange geplant und wurde glücklicherweise auch durch meine Verletzung aus Reichenbach nicht verhindert - wohl aber erschwert.
Naja, wenigstens den September konnte ich wieder gut trainieren, erreichte um die 120 km pro Woche. Allerdings unterschätzte ich das Höhenprofil des SRM und legte nicht ausreichend Wert auf Bergtraining (wo hätte ich die Berge auch hernehmen sollen?). Die Anmeldung von Marcus eine Woche vor dem Lauf machte angesichts seiner überragenden Berglaufleistungen so eine Art Renntaktik notwendig:
Ich müsste zügig Raum gewinnen und hoffen, den Vorsprung bis ins Ziel zu retten. Das hat ganz gut geklappt, zwischendurch bei km 20 dürfte ich 5 min Vorsprung gehabt haben, Pace um die 4:00 min/km. Dann kam der lange Anstieg nach Gösselsdorf, meine Beine wollten nicht mehr rennen und exakt am Ortseingang bei km 35 überholte mich Marcus. Mir war klar, dass ich ihn dieses Jahr nicht wieder "einfangen" könnte, viel mehr müsste ich aufpassen, nicht noch nach hinten durchgereicht zu werden. Für die km 34 + 35 hatte ich zusammen knapp 16 Minuten gebraucht, damit kann man nicht gewinnen.

Mit Marcus und Jan

Ein großes Kompliment an die Organisatoren, die Stimmung ist immer ganz wunderbar entspannt. Als Siegtrophäen gibt es Medaillen und einen kleinen Pokal.

Dorfplatz Piesau, nah am Rennsteig

Hierhin kommt man immer wieder gern zurück. Bin natürlich sehr froh, dass der Fuß so gut durchgehalten hat und außerdem war es die Marathonpremiere meines neuesten Schuhkaufs. Bin äußerst zufrieden mit dem Brooks Green Silence (49 Euro) - ein Leichtschuh aus Recyclingmaterialien.


Mittwoch, 13. Juni 2012

Bericht vom Skatstadt-Marathon am 09.06.2012

Kurzinfo:
Etwas zu warm, dafür aber tolle Stimmung in ABG. Überraschender Gesamtsieg in neuer Bestzeit von 2:51:12 h!

Bericht:
Die rührigen Organisatoren des Skatstadtmarathons haben am Vorabend wieder eine Laufgröße in den Goldenen Pflug geladen, diesmal Waldemar Cierpinski. Nachdem wir in bester Stimmung unsere Startunterlagen holten und aßen, hingen wir gespannt an Waldemars Lippen. Der sympathische 61-Jährige spricht in kleinen Anekdoten über Training, Olympia und persönliche Erlebnisse. Er ist ein wahrer Champ, bodenständig, klug und immer das Ziel im Blick. Seine Autogrammkarte werde ich in Ehren halten.
Ich bekam ganz nebenbei die hohen Erwartungen an meine eigene Leistung zu spüren, als Favorit wurde ich zuvor bei noch keinem Rennen gehandelt. Favoriten können eigentlich nur verlieren. Je mehr sie sich diese Rolle annehmen, desto wahrscheinlicher wird die Niederlage. Ich sehe mich ganz sicher nicht als Favorit. Zum Einen, weil ich meine Leistung -verglichen mit den Siegerzeiten der Vorjahre- realistisch einschätze und zum Anderen, weil ich lieber mental "hungrig" an den Start gehe.
So kann ich auch entspannt schlafen und das Rennen in Ruhe durchträumen (ich werde Zweiter in 2:56 h). Ein warmer Tag kündigt sich an, viel zu warm für einen schnellen Marathon. Für das "Ereignis Skatstadtmarathon" ist es traumhaft und wohl verdient. Die Anmeldezahlen übersteigen heute die Marke von 2800 - das ist Wahnsinn für eine Stadt wie Altenburg und neuer Rekord! Irgendetwas machen die Jungs und Mädels vom ausrichtenden Kanuverein (KLV) anders als andere. Wahrscheinlich sind es die vielen Kleinigkeiten, die diesen Lauf so freundlich machen und aus der Masse abheben.
Fast eine Stunde vor dem Start bin ich im Pflug, trinke viel, laufe mich locker ein, beobachte die Sonne mit einem freudigen und einem besorgten Auge. Viel zu warm... Es scheint für viele Menschen befremdlich zu sein, wenn halbnackte Männer schwitzend an der eigenen Haustür vorbei rennen. Diese Erfahrung habe ich bereits in Erfurt und Gera gemacht, daher beschließe ich wider alle Vernunft, MIT T-Shirt zu laufen. Aus Anstand und so. Außerdem will ich das Shirt mit dem Aufdruck "Team Skatstadtmarathon" nach so vielen Ausflügen in der Region auch endlich mal in Altenburg tragen.
Am Start, den ich viel zu spät erreiche, sehe ich Steven Michel. Ihn traf ich 14 Tage vorher schon mal beim Training im Stadtwald, er ist mein Favorit für heute. Wahrscheinlich wird er den Streckenrekord angreifen. Auch unterhalte ich mich mit dem Hünen Carsten Hennig -dem Vorjahresdritten-, der leider nicht so viel Zeit zum Trainieren hatte. Es sind bereits hunderte Zuschauer auf dem Markt, die Stimmung ist fröhlich-gespannt. Pünktlich um 9 gibt Bürgermeister Wolf den Startschuss und wir jagen davon!
Eine schnelle Fünfergruppe setzt sich gleich ab, Steven an der Spitze. Nach den guten Erfahrungen auf dem Rennsteig, die ich mit dem Konzept "ruhiger Start = langer Atem hintenraus" gemacht habe, bleibe ich zurück und laufe kontrolliert mit einem Schnitt um die 3:55 min/km auf den ersten km.
Es zeigt sich, dass die Jungs offenbar zu schnell starteten, kurz vor dem ersten V-Punkt habe ich bereits drei überholt und bin selbst bereits recht klamm und durchgeschwitzt. Mein Shirt lasse ich hier mit der Bitte, dieses beim KLV abzugeben, was auch prima klappt. Kurz darauf bin ich auf dem zweiten Rang und gewinne Abstand - nach vorn und nach hinten. Es ist nun das erwartete Rennen: Steven liegt auf Rekordkurs, ich versuch die 3 Stunden zu knacken. Hin und wieder nehme ich etwas Tempo raus, wenn es zu scharf wird.

km 30, ein warmer und schöner Tag, Foto: Andreas Pautzsch

Nach den Kilometern an der Umgehung und der musikalischen Umrahmung unter der "Honda"-Brücke bei km 11 erreichen wir nach knapp 12 km wieder die Stadt, auf den Straßen, in den Gärten feuern uns die Anwohner an. Es war eine kluge Entscheidung der Organisatoren, dieses Mal etwa alle 2,5 km einen Versorgungspunkt einzurichten - die Sicherheit, bei dieser Wärme ausreichend Getränke zur Verfügung zu haben, ist Gold wert. Gegessen habe ich heute gar nichts, nur vier Gels weggelutscht.
Die vielen kleinen Anstiege auf häufig wechselndem Untergrund erfordern volle Aufmerksamkeit auf dem Stadtteil der Strecke, dafür wird man durch die vielen positiven Eindrücke nach vorn getrieben. Besonders in Erinnerung blieb die fette Musik auf dem Anstieg zum Schloßpark (ich hatte Tränen in den Augen) und die rot gekleideten Spielleute oben im Park - so viel Adrenalin schon nach 19 km!
Als wir den Markt überqueren, um in die zweite Runde zu starten, beträgt Stevens Vorsprung geschätzte 3-4 Minuten, meine Zeit etwa 1:24 h, ausreichend Polster für die 3-Stunden-Grenze. Im Schnitt waren es 4:00 min/km, angepeilt waren 4:10.
Auf der zweiten Runden befinden sich viele Walker und Läufer anderer Distanzen auf der Strecke, diese sind durchgängig rücksichtsvoll und nett, es gibt keinerlei Behinderungen. Viele feuern mich sogar an - danke an alle, ich konnte leider nicht immer antworten. Manche rufen mir auch den Rückstand auf Steven zu. Das sind natürlich alles nur Schätzungen, aber offenbar beträgt der Abstand schon 6 Minuten. Als zwei Walker rufen, der Erste hätte Seitenstechen, halte ich das für einen gut gemeinten Scherz, um mich anzuspornen. So rolle ich halbwegs kraftvoll dahin, bei km 30 treffe ich wieder Andreas Pautzsch, er meint, dass Steven nur noch knapp vor mir sei, obwohl ich ihn nicht sehe. Hey Leute, ich lauf doch schon schnell, ihr braucht mich nicht noch mehr zu motivieren!! :-)

Dem Ziel entgegen, Foto: Klaus Duwe

Aber Andreas hat Recht, bei km 31 ist die Radbegleitung des Marathonführers auszumachen, langsam schließe ich auf und kann Steven überholen. Der Radfahrer bleibt nun bei mir und hupt und ruft mir den Weg frei! Aber er gibt auch ein zügiges Tempo vor, unwillkürlich will man ihn einholen. Reiß dich zusammen, laufe deinen Stil! Danke an den Radler, diese Aufgabe kostet sicher eine Menge Konzentration und Feingefühl.
An der Wendestelle am Weißen Berg (km 36,5) sehe ich keinen unmittelbaren Verfolger, brauche kein volles Risiko zu gehen. Auf den letzten 5 km durch die Stadt grüßen und rufen die Altenburger, "Mit"-läufer klatschen, die Musik gibt einen trommelnden Takt vor - was für ein tolles Gefühl in dieser großartigen Atmosphäre!
Während des Zieleinlaufes auf den letzten 100 Metern habe ich den ersten und einzigen Krampf des Laufes. Dies nur als Erklärung für das recht martialische Zielfoto in der OVZ :-)


Finito  Foto: Kurt Egermann

Zweiter wird in 3:09 h Jahn Volker aus Leipzig-Leutzsch, Dritter Alexander Vieth aus Hohenstein in 3:10 h.
Nach dem Lauf fühle ich mich keineswegs platt, erhalte sogar eine Massage und kann noch duschen, bevor die Siegerehrung beginnt. Es sind so viele Preise, dass man sie kaum transportieren kann - danke an alle Sponsoren!
Der größte Dank aber gilt dem KLV. Leute, ihr seid irre! Wenn ihr jedes Jahr die Superlative des Vorjahres noch übertreffen wollt, wo soll denn die Reise noch hingehen? Organisatorisch ist nach oben kaum noch Luft, die Stimmung dank Stefan Bräuer und den Bands/Spielleuten suuuuper.

D A N K E  -  D A N K E  -  D A N K E

Euer Botschafter (auch 2013)

Sonntag, 29. Januar 2012

Bericht vom Wintermarathon Leipzig am 21.01.

Kurzinfo:
Winterlich-feuchter Start ins neue Jahr, erster Marathon im NB-Minimus! Die "Mitteldeutschen Jungs" etablieren eine Pannenserie :-)  Zielzeit: 3:54h, deutlich schneller als geplant.

Bericht:
Der entspannte, erste Marathon des Jahres sollte den Abschluss einer Regenerationswoche nach meiner 155-km-Trainingswoche zuvor bilden. Der Sinn des Teammarathons in Leipzig ist das möglichst schnelle und (zumindest jeweils im Start/Ziel-Bereich) gemeinsame Laufen von drei Marathonis. Es werden 8 Runden á 5,x km durch den Clara-Zetkin-Park gelaufen. Unser Team kam (wie im vergangenen Jahr) krankheitsbedingt nicht in geplanter Konstellation an den Start, konnte aber dank rühriger Mithilfe des netten Ausrichters wieder aufgestockt werden - danke Silke!
Der Lauf selbst fand bei Temperaturen um den Gefrierpunkt statt und startete gleichzeitig mit dem Einsetzen eines teils recht starken Schneefalls. Bereits nach der Halbdistanz waren wir durch bis auf die Knochen. Unsere geplante Zielzeit waren ca. 4:15 - 4:30h, d.h. wir wollten nicht ans Limit gehen, sondern locker laufen und Spaß haben. In der vorletzten Runde entschied sich Tom aus unserem Team zum Aufhören, eine sinnvolle Entscheidung bei dieser Kälte, schließlich wollen wir gesund bleiben. Ich nutze die jetzt offene Situation und versuchte, die letzten anderthalb Runden noch schnell zu absolvieren, was auch gut gelang und wieder für innere Wärme sorgte - ein insgesamt tolles Training mit Endbeschleunigung übrigens.


Auch wenn wieder nicht alles nach Plan lief, so ist doch die Stimmung, die gute Versorgung und nicht zuletzt der frühe Zeitpunkt des Wintermarathons Leipzig immer wieder ein Grund, hier her zu kommen.
Und 2013?
Dann kommen sie wieder, das ganz große Comeback der Mitteldeutschen Jungs steht bevor!! :-)

Samstag, 3. Dezember 2011

Bericht vom Untertage-Marathon Sondershausen am 3.12.2011

Kurzinfo: Marathonlauf auf acht Runden a 5,27 km im Salzbergwerk. Je Runde warten ca. 110 Höhenmeter. Meine Zeit ist 3:57 h, damit Platz 26 (6. der AK30).

Bericht: Hach, es ist eigentlich Blödsinn. Warum sollte man lange nach Saisonende, kurz vor dem zweiten Advent, in den 700 Meter tiefen Schacht eines Salzbergwerkes fahren, um dort bei bis zu 37 Grad einen teils sehr steilen, dunklen und trockenen Tunnel entlang zu laufen?! UND DAS ACHT MAL HINTEREINANDER?!
Ganz einfach: Weil dieser verdammte Tunnel nun mal da ist und es eine Menge Spaß verspricht!
Aber der Reihe nach. Die Organisatoren können aus Gründen der Logisitk und der Sicherheit nur 400 Läufer bei diesem Rennen zulassen, es gibt eine Warteliste. Als ich mich vor drei Monaten für diesen Lauf entschied, landete ich auch erst auf der Warteliste, aber bereits nach wenigen Wochen war ich aufgerutscht und meine Anmeldung wurde angenommen.
Der Spaß kostet wegen des logistischen Aufwandes 55 EUR, das ist etwas zu viel, um die Veranstaltung als reinen Gaudi abzutun.
Da die Planung für 2012 langsam konkret wird (Vorschau kommt später), liegt meine 14-tägige Saisonpause 2011/2012 nun bereits hinter mir - unmittelbar hinter mir.
Meine Vorbereitung für "diese wohl härteste Marathonstrecke" (laut Veranstalter sc-impuls Erfurt) ist mehr als dürftig, trotzdem will ich einen Saisonauftakt nach Maß und einen echten Test. Den sollte ich auch wirklich bekommen.
Anreise, Registratur, Umziehen klappt alles wie am Schnürchen, ich war ja im Februar zum "Halben" schon mal hier. Heute sind es viel mehr Leute, die unterschiedlichsten Dialekte sind zu hören und auch das europäische Ausland ist vertreten. Eine Stunde vor Laufstart, also kurz vor 9 Uhr, bin ich unter Tage, ziehe mich um und denke mir eine Renntaktik aus.
Jeder technikbegeisterte Läufer (und was meinen Forerunner angeht, bin ich das) muss hier unten auf den lieb gewonnen Rythmus der GPS-Uhren verzichten und seine Pace nach Gefühl finden. Oder eben mittels Herzfrequenzmesser, das versuche ich mal. Mein Ziel ist, nie über 80% der HF_max hinaus zu steigern, und daran halte ich mich auch ganz überwiegend. Auf ein Zeitziel verzichte ich, liebäugle aber mit den 3:30.
An der Startlinie, wenige Sekunden vor dem Countdown, zeigt die Uhr 64 Schläge pro Minute, trotz "höllisch" guter Atmosphäre - das sieht doch gut aus. Neben mir erscheinen bunt flackernde, menschliche Weihnachtsbäume. Sogar einen weiblichen Engel mit Flügeln sieht man am Start. Die salzkristallenen Wände werfen den donnernden Countdown aus den 400 Hälsen zurück - START!
Runde 1 von 8 absolviere ich mit gut 12 km/h, der Wärmestau am Kopf (es herrscht Helmpflicht) macht das Ganze zwar nicht leichter, aber mit entsprechender Getränkeaufnahme sollte das kein Problem sein.
Doch irgendetwas stimmt nicht hier unten, ich werde bis einschließlich Runde 5/8 jede Runde 20 Sekunden langsamer, und zwar erschreckend konstant! Die Rundenzeiten soweit:
1. 26:11
2. 26:29 (+18)
3. 26:50 (+21)
4. 27:13 (+23)
5. 27:34 (+21)
Und gegen Ende der Fünften passiert es: der erste Krampf! Ich bin darüber etwas erschrocken, habe meine (ohnehin geringen) Berglaufqualitäten scheinbar rapide eingebüßt während der zurück liegenden, faulen Wochen..
Da ich heute keine Lust habe, mich zu quälen (übrigens im Gegensatz zum Großteil der Untertage-Enthusiasten), freue ich mich bereits auf eine Dusche ganz für mich allein und eine pünktliche Abreise, sch* doch auf die verbleibenden 16 Kilometer!
Also los, ich dehne mich kurz im Dunklen und trabe dann locker weiter - hmm, es geht ja wieder. Dann wird eben die Sechste meine letzte Runde. Das Feld der harten, erfahrenen Marathonhelden hat sich inzwischen ins Unkenntliche aufgelöst.
Erste Flüche hallen durch die Tunnel, Gehende mit hängenden Köpfen trifft man nun häufiger. Der Untergrund wird glitschiger, ganz langsam erschweren sich hier unten die Bedingungen. Ich muss an den Frosch denken, der -in heißes Wasser geworfen- sofort die Flucht ergreift; der aber bei langsamem Erwärmen seiner Umgebung seelenruhig verbrennt. Die Luft wird scheinbar immer wärmer, Schweiß läuft unter dem Helm hervor, die salzige Haut hinab, tropft auf den Boden.
Der häufige Wechsel zwischen völliger Dunkelheit und grellem Kunstlicht blendet die Augen und nervt das Gehirn. Die unebene, harte und kaum erkennbare Bodenstruktur macht ein sanftes Aufsetzen fast unmöglich, viele harte Aufschläge sind die Folge. In jeder Runde überraschen einen neue Berge, die vorher nicht da waren. Durchatmen.
In Runde sechs wieder Krämpfe, diesmal eher als in Runde fünf und in beiden Beinen. Na Klasse! (hey, die Dusche ruft!)
Allerdings lässt selbst die bescheidene Rundenzeit von mehr als einer halben Stunde am Ende von Runde sechs noch eine Gesamtzeit von unter vier Stunden realistisch erscheinen. Das ist alles, was ich jetzt noch will (aber kaum noch KANN).
Über die verbleibenden zwei Runden möchte ich nicht wirklich schreiben, es ist unwürdig. Meine Bewegungen sind so geschmeidig wie eine Nilpferd beim Purzelbaum, alle halbe Kilometer Krämpfe, Hitze, Durst, Salz überall, der Körper sagt S-T-O-P!

Hierzu ein schönes Zitat von Friedrich Hebbel: "Dass die Schmerzen miteinander abwechseln, macht das Leben erträglich." - Ja, dadurch, dass es mal rechts und mal links zuerst verkrampft, kann man den Schwerpunkt immer anders verlagern und sich wieder 100 m weiter schleppen.. - kluger Mann!

Bleibe letztlich mit 3:57h unter der 4-h-Marke, hatte meinen "Test", weiß wieder, wo ich wirklich stehe..
Insgesamt ist es natürlich ein geiler Lauf ihr Freaks! Aber ich bin fertig mit der Untertage-Nummer, für immer.

Montag, 24. Oktober 2011

Bericht vom Dresden-Marathon am 23.10.2011

Kurzinfo:
Sehr flache 21km-Doppelrunde durch die Dresdner Innenstadt. Mein Ziel war, die Sub-3h-Zeit aus Gera zu bestätigen, also ca: 2:55h (meine Zeit aus 2010 war 3:26h).
Dieses Ziel gelang, ich erreiche in 2:51:51 h Rang 29 von gut 1300 Finishern (Platz 4 der AK).


Bericht:
Ich wache bereits um 3:15 Uhr ausgeruht auf und mache mich langsam an das erste Frühstück. Gegen 5 bin ich am Bahnhof und erfahre, dass der Zug 40 Minuten (!!) Verspätung hat – verflucht, jetzt steh ich hier in der Kälte und beobachte die ganzen Kaputten und zugedröhnten Teenies, welche auf ihrer Odyssee nach Hause hier Station machen. Jetzt wird es schon wieder kribbelig (weil zeitlich eng), aber bei 40 min Verspätung bleibt es dann auch zum Glück. Ich ziehe mich also bereits im Zug um und bin ca. 30 min vor Start am Congress Center. Alles gut, habe großzügig geplant.
Meine Starttüte, welche mir separat mit der Startnummer überreicht wird, ist komplett leer – komischer Gag. Dann treffe ich noch Kristin Eisenacher (USV Erfurt) und Marco Mayer aus Weimar, der heute seinen ersten Marathon laufen will.
In Dresden herrschen zum Start um 10 Uhr gute Bedingungen, auch wenn es mit ca. 6 Grad noch recht kalt ist. Ich stehe wenige Meter hinter der Startlinie, diesmal möchte ich schneller aus den Löchern kommen und nicht in dem langen Lindwurm, welcher sich hier in der Ostra-Allee gebildet hat, zermalmt werden. Der Countdown ertönt und es geht los – START!
Es sollte ein gemütlicher Anfang werden mit ca. 4:20-Pace auf den ersten Kilometern und anschließender Steigerung, aber es kam natürlich anders. Der Sog der Halbmarathonis war zu stark. Letztlich laufe ich bis km 20 deutlich konstanter und schneller als geplant, nämlich KOMPLETT innerhalb 3:52- und 4:01-Pace. Gegen Ende der ersten 21-km-Runde bin ich sozusagen direkt dran an dem kenianischen Häschen (Kiprono, am Ende Zweitplazierte der Damen) und auch „auf Augenhöhe“ mit der kleinen Polin Kuta (am Ende Dritte).
Leider spüre ich nun bereits meine muskulären Defizite, die Beine schmerzen leicht. Die Gedanken, ob es an der eher mangelhaften Erwärmung, der schnellen Anfangsphase oder der nicht hinreichend trainierten Tempohärte liegt, verdränge ich für den Moment und suche nach einer „Notfallvariante“, ich schalte das Tempo etwas runter, spiele kurz auch mit dem Gedanken einer Halbmarathon-Wertung, also Abbruch wegen Verletzung. Bei km 25-30 scheint sich das Schmerzlevel etwas zu stabilisieren und ich schöpfe Mut, kann aber nur noch eine Pace um die 4:10 halten.
Ganz nebenbei habe ich gerade eine neue persönliche Halbmarathonbestzeit (1:23:22 h) aufgestellt. Ist doch ein tröstlicher Gedanke, wenn man noch 20 km Schmerzen vor sich hat, oder? Die letzten 12 km tun dann wieder richtig weh, meine Pace liegt im Schnitt noch bei 4:15. Insgesamt laufe ich die zweite Runde ganze 5 min langsamer als die erste, so etwas kann man schon Einbruch nennen. (Übrigens kein Einzelphänomen: Die Sieger der Frauen –Bonsa- ließ ganze 7:31min in der zweiten Runde liegen!)
Wie auch immer, jeder Läufer weiß, wie schnell Schmerzen wieder vergessen sind! Ich erlebe einen sehr schönen, einsamen, langen Zieleinlauf und werde vom Zielkommentator zum Schwiegermütterliebling erklärt, wohl wegen der Haare – na wenn das nichts ist! Zielzeit ist 2:51:51h – ich habe fertig! Mehr ging heute definitiv nicht, ich habe mehr erreicht, als ich wollte. Leider fehlten nur ganze 50 Sekunden zum Rang drei in meiner Altersklasse, naja.

Da kann mir auch die leicht bockige Dame am Erdinger-Stand nicht mehr die Stimmung vermiesen, welche mir doch tatsächlich das zweite Alkoholfreie nicht gönnen wollte. Als Schwiegermütterliebling hätte ich doch hier leichtes Spiel haben sollen, oder? :-)
Insgesamt ist der Dresdner Marathon ein ganz netter Lauf, dessen beste Eigenschaft sein flaches Profil ist. Hier kann jeder zum Saisonende genau prüfen, wo er steht. Ausreden gibt es keine! Übrigens war der Gegenwind aber teilweise wirklich sehr stark.. ;-)

Sonntag, 25. September 2011

Bericht vom Saale-Rennsteig-Marathon am 25.09.2011

Kurzinfo:
Marathonlauf vom tiefsten zum höchsten Punkt des Landkreises SLF (Uhlstädt auf 175m NN nach Piesau auf 731m NN). Schaffe überraschend den Gesamtsieg in 3:32h. Streckeninfo hier

Bericht:
Tja, wie beginnen solche Geschichten? Mit einem lauten Wecker um 5:30 Uhr vermutlich. Es scheint ein wettertechnisch viel versprechender Sonntagmorgen zu werden, also Tasche fertig packen, kleines Honigbrötchen gegessen und (Achtung: Geheimtipp!) eine Tupperdose mit Haferfrühstück für den Weg angerührt (Hafer- und andere Getreideflocken, Milch, Kakao, etwas Chia). Der Zug fährt gegen 7 Uhr, also auf zum Bahnhof. Es ist arschkalt, vor allem nach diesen vielen Sonnentagen. Aber es soll heute der wärmste Tag der Woche werden, die Marathonis in Berlin freuen sich schon auf 25 Grad :-)
So warm werden wir es im Wald nicht haben, aber ganz kurze Hose und dünnes Shirt sind Pflicht. Ich packe ganz bewusst keine Kompressionssocken ein, ich will ein letztes Mal dieses Jahr so viel Sonne und Wind wie möglich spüren.
Die Bahnverbindung ist ziemlich cool (1:14h, 2 Umstiege), ich bin ca. 30 min vor Start am Sportplatz in Uhlstädt. Ein paar Leute genießen bereits die frühen Sonnenstrahlen und ich erkenne Jörg wieder, der mir an der Müritz seinen Biergutschein geschenkt hatte. Obwohl er aus Fürstenwalde kommt, tourt er durch die halbe DDR, um heute in Piesau -ich wiederhole: PIESAU- statt am Brandenburger Tor ins Ziel einzulaufen. Netter Kerl. Er musste hier übernachten (er ist auch Zugfahrer) und mir dämmert, dass ich selbst auch bereits die Übernachtung inkl. Frühstück hier gebucht hatte. Das hatte ich völlig verschwitzt, meine Anmeldung für den Lauf ist ein halbes Jahr her. Oh man, ich werde alt! Es sind überhaupt viele außerthüringische Läufer am Start, etwa 2/3 kommen von außerhalb, natürlich überwiegend Franken und Sachsen. Und es sind viele Ultrahasen darunter, in so manch respektables Finishershirt sind die Recken gewandet. Auch Nicole Kresse  sehe ich am Start, die Siegerin der 100 Meilen in Fröttstädt.
Am Start sieht man an Laufkleidung alles zwischen "komplett lang und Mütze" und "ganz kurz" - typischer Herbstlauf! Der Bürgermeister entlässt uns nun mit feierlichen Worten auf die Strecke als die Uhr neun schlägt. START!


Wie immer bei so überschaubaren Starterfeldern (ca. 60 Läufer) versuche ich zunächst, die dritte Position nicht aus den Augen zu verlieren (so fern mein Körper dabei mitspielt) und erst mal warm zu werden. Tatsächlich erfahre ich aus kleinen Gesprächen während der ersten hundert Meter, dass sich im letzten Jahr viele Läufer verlaufen hatten und Umwege in Kauf nehmen mussten. Auch der Spruch "der Lauf beginnt erst wirklich in Saalfeld!" machte immer wieder die Runde. Klar, ein Blick ins Höhenprofil klärt auf:


Entsprechend entspannt verlaufen die ersten Kilometer, der Respekt vor der Strecke ist förmlich greifbar. An der dritter Position liegend, knapp unterhalb der Wohlfühlgeschwindigkeit erreiche ich Kolkwitz, den ersten V-Punkt (5,5 km). Die Jungs vom Jugendklub betreuen den Stand und ich glaube, sie hätten mir auch etwas Bier abgegeben, wenn ich gefragt hätte :-)
Der auf Platz zwei Liegende muss etwas abreißen lassen und bleibt zurück und für die restlichen 38 km des Laufes werde ich somit keinen anderen Läufer mehr sehen außer den derzeit direkt vor mir laufenden "schnellsten Küchenchef Thüringens" (laut Shirt, er heißt Marcus). Wir bewegen uns anfangs ausschließlich auf Asphalt und das Tempo ist angenehm. Der Reiz, schneller zu laufen ist schon da, aber bei diesem Höhenprofil wäre das jetzt Irrsinn.
Zwischenzeitlich wechseln wir mal die Führung, ich bummel aber immer an den V-Stellen und verliere ein paar Sekunden, somit bleiben wir erst mal zusammen. Wirklich wahnwitzig, riskant, Furcht einflößend fand ich Marcus' Geschwindigkeit, als er mich nach einem Kurzstop seinerseits auf einem irren Gefällstück (ab Dorfkulm) wiedermal überholte. Ich bin ja schon ein kranker Bergabläufer mit aller Härte, aber er holte aus seinen langen Beinen alles raus - bei einem Sturz wären wir sicher meterweit geflogen!
Wir erreichen Saalfeld im Doppelpack, 18 km sind geschafft und alles ist im grünen Bereich. Direkt an der Saale, in einem schönen flachen, riesigen Park werden wir versorgt. Hier starteten vor einer Stunde die 25-km-Läufer, von denen wir keinen mehr auf der Strecke sahen. So, jetzt also soll der Lauf beginnen, ich bin gespannt! Wir verlassen Saalfeld Richtung Eyba auf einem Schotterweg, das Höhenprofil oben spricht für sich, viel mehr ist nicht zu sagen. So lange es möglich ist, laufe ich tapfer durch und gewinne Abstand zu Marcus. Irgendwann entscheide ich mich aber, zu gehen, will nicht hier schon an die Grenzen stoßen.
Die Strecke bleibt jetzt immer anspruchsvoll, selbst bergab ist teils keine Erholung möglich, da die Strecke aberwitzig steil und schotterig ist, immer wieder gibt es Gelegenheit, sich an langen Anstiegen "abzuarbeiten". Dafür entlohnen die endlosen Blicke ins hügelige Umland - ein echter Spätsommertraum!
Im Großen und Ganzen bin ich überrascht, wie gut die Beine durchhalten, aber der Abstand zu Marcus ist nie größer als ein, zwei Minuten. Und selbst am vorletzten V-Punkt Gebersdorf (37 km) schafft er es, mich wieder zu überholen (ich bummel...). Diesmal kann ich ihn recht schnell wieder packen und kann an seiner Atmung hören, dass für mich heute hier mehr drin ist, als der ewige zweite Platz. Auf dem langen letzten Anstieg nach und in Piesau kann ich wieder zwei Minuten Abstand gewinnen und bis ins Ziel halten. Als die netten Piesauer auf dem Dorfplatz bei meiner Ankunft klatschen bin ich natürlich der glücklichste Mensch der Welt - ERSTER PLATZ! Zum ersten Mal überhaupt!



"Bälle flach halten, war doch nur Glück!" ;-)


Die Gesamtplatzierten 1 bis 3

Sofort nach Zieleinlauf wird mir ein Mikro ins Gesicht gehalten, darauf war ich nicht gefasst. Jetzt ein paar kluge Worte? Dürfte nicht geklappt haben ;-) aber dafür das einzig Wichtige hier noch mal in Kurzform:

"Danke an alle Organisatoren und die vielen Helfer an der Strecke für diesen geilen Lauf! Hier muss ich wieder her, klarer Fall!"

Der restliche Tag wird mit barfuß Auslaufen eingeleitet (ich bin noch laufhungrig nach 44km - gutes Zeichen!), danach duschen, Saalfelder Bier trinken und quatschen und die Sonne genießen - das Leben kann so schön sein! Nicole gewinnt souverän mit Streckenrekord die Frauenkonkurrenz, auch Jörg kommt noch glücklich ins Ziel. Bei ihm kann ich mich revanchieren, indem er diesmal meinen Getränkegutschein in Limo umsetzt.

(alle Fotos vom Veranstalter)

Dieser Lauf ist durch seine 1300 Höhenmeter und die tolle Landschaft ein echtes Schmankerl, der 30.09.2012 ist schon wieder fest für Uhlstädt eingeplant!