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Montag, 5. Oktober 2015

Bericht vom Saale-Rennsteig-Marathon am 27.09.2015

Es sollte heute ein langer Trainingslauf werden, aber kein überlanger (der Weidatalmarathon vor 3 Wochen war sehr schön, ich hatte aber auch sehr lange was davon...). Daher wollte ich -wenn überhaupt!- die 23-km-Strecke mit 90% laufen. WENN ÜBERHAUPT bedeutet, ich setze voraus,  dass die Frau-Kind-Trainingszustands-Triade logistisch und zur Zufriedenheit aller gelöst wurde.
Ja, es ging mit Kind und Kegel am Sonntagmorgen nach Saalfeld und wir sollten es nicht bereuen. Die Sonne schien, die Nachmeldung war problemlos. Das Personal konnte meinen Teamnamen "Skatstadt-Marathon" der Stadt Altenburg zuordnen und - das ist eher selten - die Stadt Altenburg wurde als zu Thüringen gehörig erkannt, wenn auch erst nach kurzer Diskussion.
Die Strecke bin ich ja schon zwei mal komplett gelaufen, da blieb mir Saalfeld als zügig zu durchquerender Etappenort in Erinnerung. Und naja, kaum auf der Strecke fiel mir der böse Anstieg auch wieder ein, welcher nach knapp 2 km lauerte. Das Starttempo kam mir gleich so langsam vor, aber ich preschte nicht vor, so eilig hatte ich es nicht.
So lief ich mit Sören aus Erfurt gemeinsam vornweg. Vielleicht sein Glück, denn es hätte bereits nach einem Kilometer für ihn ein sehr einsames Rennen werden können... abseits der markierten Strecke. Wir kletterten gemeinsam die ca. 350 hm bis Eyba hoch, dann löste ich mich langsam. Auf km 8 - 13 lag die Pace meist unter 4 min/km, aber es ging ja auch brutal bergab. Die Strecke ist wunderschön, trotz des vielen Grüns mit einigermaßen viel Asphalt versehen. Immer zu Geschwindigkeit reizend. Ich schwankte zwischen 'Abstand zum Zweiten ausbauen!' und 'nur 90% geben heute, Reserven nicht anfassen!' und natürlich musste ich bei diesen Anstiegen an die Grenze gehen! Aber ich hab mir dann auch mal die eine Minute genommen, um zu gehen und die Beine wieder bissl auszuschütteln. Irgendwie rechnete ich in solchen Momenten damit, dass hinten einer die Bremse löst und lächelnd an mir vorbeizieht. Einer, der besser in den Bergen klarkommt. Gut, dass Marcus nicht da war :-)
Hinter Gösselsdorf spiele ich dann Kuhhirte, ein junger Bulle steht auf dem Feldweg, rechts und links Weidezaun. Er läuft vor mir weg (guter Junge! Er weiß nicht, dass ich Vegetarier bin), ihm folgt aber die Herde innerhalb der Weide linker Hand. Diese Herde bricht nach ca. 100 m durch ein Loch im Zaun und rennt dann mit mir gemeinsam des Weges (schnelle Biester, zum Glück sind wir Vegetarier unter uns!), kreuzt meinen Weg und ich klatsche und rufe die Burger in spe zur Seite. Sehr schnell folgen sie ihrem Bullen auf die Weide rechts und ich hab wieder freie Bahn. Der Zaun ist an vielen Stellen total zerrissen, hier muss jemand mal dringend reparieren.
Zurück zu den Läufern, auch bei Gösselsdorf kam keiner von hinten nach, auch nicht auf dem letzten Anstieg nach Schmiedefeld, der immerhin 4 km lang ist. Kurz vor dem Ziel (Wo isses denn, ich seh es noch nicht!) ruft mir ein älterer Herr zu, dass ich den Streckenrekord noch schaffen kann.

letzter Anstieg, ich simuliere eine dynamische Körperhaltung
Diese Einschätzung war angesichts eines Puffers von 90 Sekunden und einer verbleibenden Reststrecke von ca. 60 Metern (Ah, da ist ja das Ziel!) durchaus auch in meinem Zustand noch zutreffend. Zack! Sieg in neuer Streckenbestzeit von 1:48:10 Std.! Also, das ist eine Durchschnittspace von 4:34, da geht noch was!

Seltenes Bild bei einem bergigen Halbmarathon
Die HM-Strecke wird mit 23,8 km angegeben, das ist auch ziemlich genau das, was meine Uhr anzeigte. Allerdings unterschlägt das gute Stück immer die Höhenmeter, also sind 24,5 km realistischer.
Einen seriösen Artikel zum Lauf findet ihr hier ;-)

Freitag, 3. Januar 2014

Bericht vom Silvesterlauf Gera am 28.12.2013

Ein neuer Nachwende-Teilnehmerrekord auf der anspruchsvollsten Silvesterlaufstrecke Thüringens! Diesmal laufe ich (unfreiwillig) ohne Uhr, immer so am Rande des Möglichen (immerhin knapp 500 Höhenmeter auf 20 km). Mit zunehmender Renndauer fühl ich mich immer besser. Als die letzte, ca. 3 km lange, Gefällstrecke Richtung Ziel beginnt, kann ich das Tempo nochmal verschärfen und lande schließlich auf Platz 9 von 158 Finishern in neuer PB von 1:19:23 h, genau 7 Sekunden schneller als meine Zeit aus 2011 (damals Platz 7).
Ja, mittlerweile finden viele schnelle Läufer den Weg nach Gera und das hat der Lauf auch verdient! Diesmal gewinnt übrigens wieder Sebastian Harz in starken 1:10:20 h.
Die Bedingungen in der sanierten Panndorfhalle sind erstklassig, die Laufstrecke sowieso. Wenn jetzt noch die Moderation in der Halle / Siegerehrung / Urkundendruck noch etwas optimiert werden könnte, wäre es perfekt.
Danke Gera, bis Dezember!

Donnerstag, 2. Januar 2014

Bericht vom GettingTough-Race Rudolstadt am 07.12.2013

Kurzinfo:
Bergiger Crosslauf mit knapp 100 Hindernissen auf 23 km und 900 Höhenmetern. Lande auf Platz 13 von 900 Finishern in 2:30 h. Alle Ergebnisse hier.

Bericht:
Das Medienecho der Erstauflage dieses Laufes Ende 2012 ging an mir natürlich nicht vorbei. Nach der Spontanreaktion a lá "ist nur was für Spinner" gefiel mir der Gedanke, so ein Rennen mal zu probieren, doch immer besser. Trotzdem geriet die zweite Auflage wieder in Vergessenheit, bis mich eine Kollegin wieder darauf brachte..., tja... und ich mich spontan anmeldete, wenige Wochen vor dem Rennen.
Jetzt begann eine rasante Recherche, um herauszufinden, was die Läufer wirklich erwartet. Der harte Kern des GettingTough-Vereins hatte schon ein paar einschlägige Videos hochgeladen. Sehr häufig sah man darauf nackte Oberkörper in winterlicher Landschaft, martialisch bemalte Gesichter und: Tauchgänge in kaltem Wasser. Das kann ja heiter werden!
Mein geringes Lauftraining (ca. 60 km pro Woche) konnte ich jetzt erweitern um ein paar gelegentliche Abstecher in die Pleiße. Da die Pleiße durchschnittlich nur 40 cm Tiefe hat, ist das Tauchen gar nicht so einfach, aber es gibt geeignete Stellen. Zu diesem Zweck lege ich mein T-Shirt und die Laufjacke ab, mache ein paar Liegestütze, gehe eine Minute ins Wasser, mache wieder Liegestütze, ziehe mich an, laufe langsam weiter. Zweimal werde ich dabei überrascht, wie ich halbnackt aus dem Wasser komme (bei 5° Celsius), da hilft nur "lächeln und winken" (die Gusche ist dann meistens so kalt, dass eh nix Verständliches raus käme..) :-)


 Auch auf die Crosselemente des Laufs versuche ich mich gezielt vorzubereiten, indem ich versuche, kilometerlange, gerade Linien zu laufen und Hindernisse dabei bewusst anzunehmen. Während dieser doch recht speziellen Laufeinheiten spüre ich schon so eine innere Befriedigung, so eine absolute Freiheit von Hemmnissen, wie ich sie lange nicht hatte. Man läuft einfach 5 km nach Norden. Gut. Jetzt 3 km nach Westen. Eine Flußquerung / ein Güterbahnhof / ein Wäldchen im Weg? Kein Problem mehr. Nur Eigentum wahre ich, um Privatgrundstücke mache einen Bogen, wie immer.
Da merkt man doch erst mal, was man vorher für ein Weichei war! Ich war ein Warmduscher, Über-Pfützen-Springer, Asphaltjogger und Wadendehner, doch jetzt seh' ich die Welt mit anderen Augen! Das ist nicht übertrieben, es ist wirklich ein geiles Gefühl!

Sprung über den Graben nicht geschafft...

Als der Tag des Rennens kam, war ich so denkbar gut vorbereitet (wie naiv!). Vorher besuchte ich noch eine Promo-Veranstaltung des GettingTough-Vereins an der Uni Jena. Die Jungs haben es geschafft, dem Rennen auch auf rationaler Ebene eine Basis zu schaffen, indem das gegenseitige Helfen, die regionale Verankerung, die Ernsthaftigkeit gegenüber der europäischen Konkurrenz usw. sehr gut dargestellt wurden.
Das Rennen selbst hat außerordentlichen Spaß gemacht, als erfahrener Läufer ging ich es eher langsam an. Die vielen kleinen, stakkato-artigen Anstiege (teils beladen mit Autoreifen) absolviere ich ohne an die Grenzen zu gehen. Die ersten 80% des Rennens kommen reinrassigen Läufern auf jeden Fall sehr entgegen, da fast alles rennbar ist. Danach beginnen die berüchtigten Hindernisse (NVA-Sturmbahn, ewig lange Kriechhindernisse auf Schotter!!!, Kletterwände, etc.), größter Scharfrichter sind erwartungsgemäß die Tauchhindernisse im Freibad.

Zwischen Tauchbecken und klappriger Holzbrücke
Zu diesem Zeitpunkt bin ich irgendwo an der Grenze der Top 20, hier im Feld sind alle noch gut drauf und absolvieren die Hindernisse konzentriert und zügig. Meine Hände sind leider völlig taub von der Kälte und die Waden zwiebeln. Die letzten Hindernisse sind wirklich hart (Slogan "The race that destroys you!"). Als der Körper im Ziel zur Ruhe kommt und sich der Bann des Wettkampfes legt, steigt sofort die Kälte hoch. Jetzt schnell in die Badewanne - danke an Jana, unsere tolle Gastgeberin! :-D

letztes Kriechhindernis

Endlich im Ziel

Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, dass der Endorphinrausch dieses Mal eine ganze Woche dauern wird, dieses Rennen hat definitiv etwas bewegt! Der ganzen Oberflächlichkeit, die uns oft begegnet, der Distanziertheit, in die wir oft gezwungen werden, schleuderte dieses Rennen eine scharfe Antwort aus tiefstem Herzen entgegen. Unabhängig davon, ob man es nun selbst tun würde oder nicht, das Springen in 4 Grad kaltes Wasser ist einfach ein sehr authentischer Vorgang.

Der Steinzeitläuferhund wurde gefüttert, satt ist er aber noch lange nicht.

Montag, 18. Juni 2012

Bericht vom Rennsteig-Etappenlauf am 16.06.2012

Kurzinfo:
Nu Pagadi! - Die Wölfe fingen so manchen Hasen,
man sah sie lachen und schwitzen und rasen!

Bericht:
Mit hungrigen Herzen und müden Knochen waren die Wölfe von Nu Pagadi um 6 Uhr in Blankenstein am Start, um 236 Hasenstaffeln ins etwa 170 km entfernte Hörschel zu jagen.
Als scheue Waldbewohner taten sie sich schwer beim Verlassen des Waldes, vor allem weil draußen die unbarmherzige Sonne lauerte und dem altersweisen Isegrim so manche Schweißperle auf den Pelz malte. 

Dank kluger Rudeltaktik war aber Wasser auf Rädern stets zu Stelle, wenn den Wolf der Mut verließ und weit und breit kein Häschen mehr zu sehen ward.
Den einzigen Gegener, den sie klar schlugen, war der Regen. Unter Einsatz allen meteorologischen Wissens, welches in einem erfolgreichen Rennsteigjahrzent von "Nu Pagadi" gesammelt wurde, gelang dieses Ausweichmanöver.
Etwas aus dem Blick geriet dabei der erhoffte Zieleinlauf um 20 Uhr, das verbissene Ziel der wilden Rotte. Doch weil auch viele Hasen heute vom Wettergott noch ärger bedrängt wurden als von den Wölfen, gelang das Zauberstück: Langsamer laufen = besser platzieren.
Nur 40 Hasenfamilien konnten so entrinnen - das Wolfsgeheul stets drohend im Genick!
So endete das Jagen nach 14:12 h, aber wartet nur Hasen - nächstes Jahr kriegen wir euch alle!


Sie pfeifen auf den Stein der Weisen: NU PAGADI


Freitag, 6. Januar 2012

Bericht vom Silvesterlauf Gera am 31.12.2011

Kurzinfo: 
Bestes Laufwetter, ca. 400 hm auf knapp 20 waldigen km. Erreiche Gesamtplatz 8 von 111 Läufern (Platz 2 der AK30) in 1:19h - sehr zufrieden!

Bericht:
Es war ein toller Tag zum Laufen! Über 500 Leute fanden sich am Morgen in Gera ein, um das Jahr gebührend zu verabschieden (111x 20km, 352x 11km, Kinderlauf). Da ich die Strecke nicht kannte und außerdem nie ambitioniert an Halbmarathonrennen heran gehe (mangels Podestchancen), wollte ich einfach eine schnelle und freundliche Trainingseinheit laufen. Das hat prima geklappt!
Trotz eines schleppenden Starts (fast 5 min für den zweiten km!!!!) kam ich ins Rollen, vor allem dank meiner Lieblingslaufsituation: das einsame Jagen einer schnellen Gruppe. Teil dieser Gruppe war übrigens auch die derzeit beste deutsche Langdistanztriathletin Diana Riesler (Triathlonprofi und Dt. Meisterin auf Mittel- (2010) und Langdistanz (2011)), welche sich mittelfristig auf den Ironman in Hawaii vorbereitet. Sie einzuholen war äußerst hart und wohl nur dank des sehr schlammigen Bodens möglich. Zu diesem Zeitpunkt lief die Gruppe im 3:20er-Schnitt (Durchschnittspace des km 12), für mich eine absolute Ausnahmesituation und viiiiel zu schnell!

Das Rennen und die sonnige Atmosphäre drumherum haben sehr viel Spaß gemacht, ich denke, dass ich dorthin zurück kehren werde. Leider begann die Siegerehrung erst mit sehr viel Verzug, dauerte anderthalb Stunden und war dann chaotisch genug, um einige Ehrungen zu "vergessen" (z.B. den Rang 2 der AK30...., angeblich Probleme beim Urkundendruck).
Fazit: So ein Silvesterlauf feuert die eigene Trainingsmotivation unheimlich an, vor allem nach den oft faulen Weihnachtstagen. Das dürfte ein fester Termin werden.

Samstag, 15. Oktober 2011

Bericht vom Kernberglauf am 15.10.2011

Kurzinfo:
Knackiger 27km-Rundkurs in Jenas Kernbergen. Mein Ziel waren 2:15h (nach meiner bisher einzigen Vergleichszeit aus 2007, welche 2:25h beträgt). Das Ziel konnte ich deutlich unterbieten und erreichte Gesamtrang 4 von 396 Finishern auf der 27km-Distanz in 1:53:02* Std. (Was das Sternchen bedeutet? Bitte Bericht lesen!)

Bericht:
Furios und kurios!
Als ich heute früh erwachte, war das erste, das ich sah, das Eis an meinem Fenster - der Winter rückt näher! Trotz Frost an diesem Morgen versprechen die Meteorologen einen sonnigen Tag mit Temperaturen um die 12 Grad. Der Lauf beginnt erst um 11, was der Sonne genügend Gelegenheit geben sollte, den dichten, feuchten Nebel im Saaletal zu vertreiben. Ich bin bereits gegen halb 10 überpünktlich vor Ort (auch wenn sich die Bahn alle Mühe gab,  mich daran zu hindern - 25 Minuten Verspätung!) und kann so das sportlich-professionelle Flair in Jena noch etwas genießen. Bin gerne hier, es ist eben auch schon ein Stückchen Heimat, da es bereits zu Ostthüringen zählt.
Die Ausgabe der Startunterlagen erfolgt reibungslos, diesmal gibt es flexible Chips, welche am Schuh selbst zu befestigen sind ("easychip" der Firma Davengo). Viele der über 1000 Starter (15km plus 27km) ziehen sich recht früh um und gehen wieder in die Kälte, das geh ich ruhiger an. 20 Minuten vor Start bin ich umgezogen, lasse aber die lange Hose noch an und laufe drei Stadionrunden, dehne mich. Es ist noch bitterkalt, man sieht viele Mützen und Handschuhe. Erst wenige Minuten vor dem Start will ich meine Tasche abgeben, natürlich wollen das hundert andere auch genau so machen. So komme ich mal wieder zu spät zum Start, muss mich recht weit hinten einordnen. Aber es wird viel gelacht und gescherzt, wir blinzeln in die Sonne und erwarten den Startschuss - START!
Hmm, an meiner Differenz zwischen Brutto- und Nettozeit kann man sehen, dass ich erst nach 37 Sekunden die Startlinie überquere, da sind die Führenden schon fast wieder außer Sicht.. :-)
Am Höhenprofil ist zu erkennen, dass wir bereits auf den ersten sechs Kilometern recht hart ran genommen werden:


Ich muss erst mal viele sehr langsame 15- und 27km-Läufer überholen und ausmanövrieren, das kostet Nerven und Zeit. Es wurde vom Veranstalter immer wieder gesagt, dass sich langsame Läufer bitte nach hinten orientieren sollen in der Startaufstellung, aber da scheint der Ehrgeiz manchmal stärker als die Einsicht. Egal, die Sonne scheint. Wie gehabt kann ich die Berge ohne zu gehen hochlaufen, mache dabei ein paar Plätze gut und dürfte bei km 6 ca. auf Rang 12 liegen. Jetzt beginnen die wunderschönen, schwungvollen Singletrails, für die der Kernberglauf so berühmt ist: Man kann zwar nur selten überholen und muss höllisch auf Wurzeln und abschüssige Stellen aufpassen, will man nicht meterweit den Hang hinabrutschen, aber dieses Auf und Ab der Waldwege, dieses Haken schlagen und Chancen wittern (zum Überholen) erzeugt einen wunderbaren Laufrausch ("Flow" wenn du so willst) - nur fliegen ist schöner!


Danke an Miss "Juliregen" :-)

Natürlich muss man sagen, dass ein "korrekter" Rhythmus bei diesem Lauf eher schwer zu finden ist. Mein Puls schwankte sehr stark, die Pace lag teils bei 3:00, dann mal bei 8:40 - dieser Lauf ähnelt eher dem Ritt der Walküren über das Schlachtfeld, da darf man schon mal ein paar alte Regeln brechen.
Dann kam Verwirrung auf: Mittlerweile ca. auf Rang 9 liegend in einer Dreiergruppe laufend, wird an einem V-Punkt bei km 17 von zwei dort stehenden Läufern geäußert, dass mehrere Läufer versehentlich abgekürzt hätten, u.a. alle Anwesenden. Ich bekomme es erst im Weiterlaufen richtig mit. Jedenfalls vergleiche ich daraufhin die km-Angaben mit meiner GPS-Uhr und ... es stimmt offenbar: mir fehlen etwa 1300 Meter, verglichen mit den km-Schildern des Veranstaltern! In unserer Gruppe ist es allen suspekt, nie vermissten wir eine Markierung und waren immer "in der Spur", seltsam. So gehen die Gedankenspiele weiter und während des Laufs ist Aufklärung auch nicht zu erwarten. Da ich noch genügend Reserven habe, lasse ich zwischen km 19 und km 23 meine Gruppe und die beiden erwähnten Läufer hinter mir, liege nun auf Rang 6. Noch 4 km bis ins Ziel, ich durchlaufe abschüssiges Gelände und teils Asphalt, der Körper fühlt sich stark an aber ich habe ein richtig schlechtes Gewissen. An dieser Stelle beschließe ich, beim Zieleinlauf nicht durch die Zeitnahme zu laufen, sondern daran vorbei eine weitere Runde zu drehen, bis meine Uhr tatsächlich 27 km anzeigt. Das wird möglicherweise ziemlich bescheuert aussehen, aber ohne Fairness bedeutet Sport rein gar nichts. Gesagt, getan! Ich laufe links an der Ziellinie vorbei (es war viel los, u.a. noch 15km-Finisher, der Stadionsprecher hat mich zum Glück völlig ignoriert), überspringe ein Absperrband (Rock'n'Roll!) und drehe auf dem Grün noch eine komplette Stadionrunde, jetzt zum Zieleinlauf, der Stadionsprecher ignoriert mich wieder. Meine Uhr zeigt 26,62km, damit ist der Sache genüge getan finde ich - endlich im Ziel!
Zunächst erhellen die anschließenden Gespräche die Situation nur wenig, einige meiner "Irrläufer" wollen wegen des schlechten Gewissens nicht zur Siegerehrung gehen (keiner außer mir lief eine Extrarunde), viele wissen nichts von einem Malheur. Ich frage drei ganz verschiedene Leute nach ihren GPS-Daten, die Angaben liegen alle zwischen 25,4 (sic!) und 26,5km - wirklich niemand hat 27km auf seiner Uhr stehen! Die Erklärung ist ganz einfach: Das GPS ermittelt eben nicht die korrekte Länge einer Hypotenuse, sondern schreibt die km-Länge der kürzesten Strecke zwischen 2 Punkten in einer komplett flachen Welt - somit werden Höhenmeter komplett unterschlagen! Bei einem hügeligen Lauf wie diesem macht sich das besonders bemerkbar. Und die letzten Gespräche zum Thema (während der Siegerehrung) klärten endgültig auf: Nicht viele waren zu kurz gelaufen, sondern Einzelne liefen fälschlicherweise einen UMWEG! Somit war meine Ehrenrunde eine Posse, wie sie im Buche steht! Darüber könnte ich mich tot lachen! :-) Ob es mich den Gesamtplatz 3 gekostet hat, würde ich nicht unbedingt vermuten, insofern bleibt kein Wermutstropfen. Nur darum also trägt meine Zielzeit von 1:53:02 ganz oben ein Sternchen, ich lief einfach ca. 400m zu weit.
Dr. H. Kremer bemerkt in seinem Kurzbericht ebenfalls zwei kleine, offizielle Abkürzungen. Also gehen die 26-Komma-X-km völlig in Ordnung.
Als Altersklassensieger durfte ich zwei mal zum Podest, das ist ein absoluter Traum für mich bei so einem gut besuchten Lauf! Die Ad-hoc-Ehrungen wurden auf Basis der Bruttozeiten vorgenommen, daher war ich zunächst "nur" Fünfter.
Alle Läufer wurden nun von schönster Mittagssonne verwöhnt und belohnt. Damit endet der 35. Kernberglauf, welcher hoffentlich noch viele Jahrzehnte Bestand hat - Danke Jena!

Ich beende den Tag mit einem lockeren 10km-Lauf, ich bin noch "hungrig" ;-)

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Bericht vom Zwiebelmarktlauf am 08.10.2011

Kurzinfo:
Flache 5,2km-Runde, die viermal gelaufen wird, teilweise inmitten des traditionellen Zwiebelmarktes in Weimar (Parkwege und Pflaster). Mein Ziel waren die 1:25 auf 21km, erreicht habe ich 1:23 (Rang 8 gesamt, Rang 2 der AK30) - bin sehr glücklich damit.

Rundenzeiten:
(ich schrieb einen Bericht, der ging leider soeben verloren und ich hab keinen Bock noch mal zu schreiben, daher leider nur die Rundenzeiten)

1. Runde - 20:39min (Pace 3:53) - Rundenende auf Rang 15
2. Runde - 21:07min (Pace 4:01) - Rundenende auf Rang 9
3. Runde - 21:07min (Pace 4:01) - Rundenende auf Rang 9
4. Runde - 20:41min (Pace 3:57) - Rundenende auf Rang 8

Als Preis für Rang 2 der AK gab es einen original Zwiebelzopf. Den Organisatoren ein herzlichstes Dankeschön für den Lauf mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis! Es gab für das kleine Startgeld ein Funktionsshirt, Essen, Trinken, etc.
Bitte sorgt mal bei Gelegenheit für mehr Umkleidemöglichkeiten und Toiletten, die Phase vor dem Start ist immer recht stressig. Dafür sind alle Beteiligten sehr, sehr nett und man kommt gerne wieder!